Grußworte



Christian SchuchardtHerzlich willkommen in Würzburg! Ich freue mich sehr, dass der Kongress für Psychotherapie und Seelsorge zum vierten Mal in Folge hier stattfindet, und lade Sie ein: Nehmen Sie sich auch Zeit, den kulturellen und kulinarischen Reichtum der unterfränkischen Bezirkshauptstadt zu entdecken und zu genießen!
„Würzburg gehört zu jenen Städten, deren bloßer Name die Vorstellung strahlender Heiterkeit erweckt und das Herz rascher schlagen lässt.“ Wie der Schriftsteller Josef Hofmiller vor hundert Jahren waren Reisende zu allen Zeiten von der Mainfrankenmetropole begeistert. Neben der malerischen Lage im Tal des Mains begründen einzigartige Baudenkmäler wie die zum UNESCO-Welterbe zählende Residenz den Ruf Würzburgs, nach kriegsbedingter Zerstörung und erfolgreichem Wiederaufbau heute wieder eine der schönsten Städte Deutschlands zu sein.
Als Stadt der Kunst und Kultur hat Würzburg seinen Gästen viel zu bieten. Wahre Besuchermagneten sind das Mainfränkische Museum auf der Festung mit der weltweit größten Sammlung von Riemenschneider-Skulpturen und das Museum im Kulturspeicher mit einer repräsentativen Sammlung europäischer Konkreter Kunst. Und nach dem Kunstgenuss laden stimmungsvolle Weinstuben dazu ein, den von Kennern in aller Welt geschätzten Frankenwein zu genießen.
International bekannt ist Würzburg ebenso als Wissenschaftsstandort mit Medizin als einem besonderen Schwerpunkt. Das 1579 von Fürstbischof Julius Echter gegründete Juliusspital, das in einer langen Tradition christlich motivierten Helfens und Heilens steht, war das erste Modell eines Universitätsklinikums. Bereits 1583 wurde hier auch eine Abteilung zur Behandlung psychisch Kranker gegründet, aus der 1833 die erste Psychiatrische Klinik hervorging.
Würzburg, dessen kirchliche Prägung in der türmereichen Silhouette sichtbaren Ausdruck findet, bietet somit für einen Kongress von Psychotherapeuten und christlichen Seelsorgern in vieler Hinsicht ein besonders anregendes Umfeld, und so wünsche ich Ihnen neben interessanten Vorträgen und Diskussionen auch einen angenehmen Aufenthalt.

Christian Schuchardt
Oberbürgermeister von Würzburg



Heinrich Bedford-StrohmSchon zum 10. Mal findet der Kongress Psychotherapie und Seelsorge in Würzburg statt. Diesmal mit einem besonderen Augenmerk auf die Auswirkungen der digitalisierten Welt auf das Leben und die Psyche des Einzelnen.
In den letzten Jahren haben sich neue Haltungsschäden entwickelt: eine besondere Form des Nackenschmerzes, der sich als direkte Folge des stundenlangen Starrens auf ein Smartphone einstellt. Reizungen im Unterarm, die im Zusammenhang mit Whatsapp-Nachrichten stehen.
Aber nicht nur auf die Physis, auch die Psyche wirkt sich die Digitalisierung unmittelbar aus. Was es bedeutet, immer online sein zu müssen – und wenn es nur gefühlt so ist, wissen viele, die nach einem Zusammenbruch psychische Hilfe brauchen. Online zu sein kann genauso eine Sucht werden wie vieles andere.
Das ist die eine Seite. Es gibt aber auch die andere Seite. Für viele ist die Digitalisierung eine großartige Möglichkeit, über den eigenen kleinen Bereich hinaus, mit möglichst vielen anderen in Kontakt zu sein, unkompliziert in Kontakt treten zu können. Sich zu vernetzen. Das ist ein zutiefst christlicher Wunschtraum, der sich in unserer Gegenwart verwirklicht. Ein sehr menschlicher noch dazu.
Dass jede mit jedem vernetzt sein kann, überall, auf der ganzen Welt, lässt die Welt kleiner werden. Verständlicher. Gleichzeitig wird sie unübersichtlicher. Unbewusst und ungewollt gibt man mehr von sich preis als man eigentlich denkt. Die Absichten derer, die den Zugang zu Wissen, zu Unterhaltung, zu Information garantieren, decken sich nicht immer mit denen, die sie nutzen.
Wo hört das Netz auf? Wo fängt die Verstrickung an? Was ist gut und hilfreich und ab wann senden Körper und Seele Warnsignale, die man besser nicht überhört?
Einen guten Weg zu finden zwischen ängstlicher Skepsis und unverantwortlicher Sorglosigkeit – das wünsche ich dem Kongress in Würzburg und allen Teilnehmenden in ihrer täglichen Arbeit als Therapeutinnen und Seelsorger.

Heinrich Bedford-Strohm
Ratsvorsitzende der Evangelische Kirchen in Deutschland (EKD)



Dr. Franz JungZum 10. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge heiße ich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Würzburg herzlich willkommen.

Viele Bereiche unseres Lebens sind mittlerweile von der Digitalisierung beeinflusst. Ging es bis vor wenigen Jahren noch in erster Linie darum, Informationen digital auszutauschen, so wirkt sich die digitale Vernetzung heute auch auf die Beziehungsgestaltung und das soziale Miteinander aus.
Vor zwei Jahren widmeten Sie sich dem Thema „Das Fremde - in mir, in Dir, in Gott“. Dies führt das diesjährige Thema inhaltlich fort. Die digitale Vernetzung kann Menschen über räumliche und kulturelle Grenzen hinweg in Kontakt bringen, Fremdheit, Unwissenheit und Ängste abbauen und den eigenen Horizont weiten. Es besteht aber auch die Gefahr, dass virtuelle Parallelwelten entstehen. Das kann unter Umständen Ängste hervorrufen, wenn Freiheit und Selbstbestimmung eingeschränkt werden und die Kontrolle über die Prozesse im Netzwerk verloren geht.
Mögliche Fragestellungen sind: Welche Fesseln kann mir die Digitalisierung anlegen? Worauf kann ich mich verlassen? Wem kann ich vertrauen? Wo ist Anerkennung in digitaler Form glaubwürdig und meiner Persönlichkeit förderlich? Welche Anerkennung spricht Gott mir zu?
Die Beschäftigung mit diesen Themen in Psychotherapie und Seelsorge halte ich für sehr wichtig. Auf verschiedenen Wegen begleiten Sie Menschen. Sie tragen Sorge, dass diese sich heil an Leib und Seele als Individuum und in Gemeinschaft mit anderen erfahren können. Für diese berufsgruppen- und konfessionsübergreifende Arbeit bin ich Ihnen dankbar.

Ich wünsche Ihrer Tagung einen guten Verlauf und Ihnen allen Gottes Segen für Ihre Arbeit!

Dr. Franz Jung
Bischof von Würzburg